Der unsterbliche Multatuli – 200 Jahre, 1820-1887

Online-lezingencyclus van het Lektorat Niederländisch van de Goethe-Universität Frankfurt

Ter gelegenheid van het 200ste geboortejaar van de schrijver Eduard Douwes Dekker heeft het Lektorat Niederländisch van de Goethe-Universität Frankfurt  een online-lezingencyclus opgezet: Der unsterbliche Multatuli – 200 Jahre, 1820-1887.  In de komende maand november kan iedereen elke woensdag van 18-20 uur live een Multatuli-voordracht op internet meebeleven.

Das Programm

(Dem Zoom-Meeting beitreten: Meeting-ID: 926 7752 2655 Kenncode: 354086, oder direkt über Kurzlink )

04.11.2020, 18–20 Uhr, Vortrag auf Niederländisch: Prof. Dr. Philip Vermoortel: De onsterfelijke Multatuli 

Obwohl Multatuli (Pseudonym von Eduard Douwes Dekker) vor zweihundert Jahren geboren wurde und vor 133 Jahren gestorben ist, ist er noch immer einer der faszinierendsten niederländischen Schriftsteller. Seine Sprache ist immer noch gut lesbar und verständlich, seine Ideen bleiben aktuell, sein Leben liest sich wie ein Roman. Im Vortrag wird auf drei Aspekte seiner Persönlichkeit eingegangen werden und anhand zahlreicher Beispiele wird veranschaulicht, wieso er sowohl als Schriftsteller wie auch als Denker und Mensch zu den „Unsterblichen“ gehört.

Philip Vermoortel promovierte 1991 an der KU Leuven mit einer Dissertation über die Parabel bei Multatuli und hat seitdem zahllose Veröffentlichungen über diesen faszinierenden Autor publiziert, z.B. Multatuli in Vlaanderen (1987) oder De schrijver Multatuli (1995). Jüngst veröffentlichte er ein „Who is who?“ über die Personen, die in Multatulis Schlüsselroman „Max Havelaar“ eine Rolle spielten. Vermoortel gehörte der Redaktion der Zeitschriften Dietsche Warande & Belfort und Over Multatuli an, er ist Ehrenvorstandsmitglied des Vereins Multatuli Genootschap und Mitglied der Maatschappij voor Letterkunde in Leiden. Inzwischen ist er emeritiert an der KU Leuven und veröffentlicht vor allem über Literatur des 19. Jahrhunderts. Seine Schriften wurden mehrfach ausgezeichnet.

11.11.2020, 18–20 Uhr, Vortrag auf Niederländisch: Prof. Dr. Jaqueline Bel: ‘t Komt alles uit dat ‘verwenschte pak’ van Sjaalman

Multatuli, Pseudonym von Eduard Douwes Dekker machte in seinem Werk regelmäßig Gebrauch von Listen. Seine bekannteste Liste findet sich in „Max Havelaar, oder die Kaffee-Versteigerungen der Niederländischen Handelsgesellschaft“, seinem bekannten Roman aus dem Jahre 1860. Es handelt sich hier um das „Paket vom Shawlmann“, eine Auflistung von 147 stark unterschiedlichen Themen wie die Kaffeekultur in Menado, die Herstellung von Essig, das Recht auf Aufstand bei Unterdrückung, die „Gemütlichkeit“ der Deutschen. Eine andere bekannte Liste sind seine „Ideen“, die Multatuli zwischen 1862 und 1877 in sieben Bänden veröffentlichte. Eine dieser Ideen lautet zum Beispiel: „Vom Mond aus gesehen, sind wir alle gleich groß“. Andere Ideen sind länger und bilden manchmal zusammen einen (unvollendeten) Roman: Woutertje Pieterse. Die Listen rufen folgende Fragen auf: Was macht „das Paket vom Shawlmann“ im Roman Max Havelaar? Inwiefern hängt diese Liste mit dem restlichen Oeuvre Multatulis zusammen, insbesondere mit Woutertje Pieterse? Und kann diese Liste vielleicht als Forschungsinstrument eingesetzt werden?

Jacqueline Bel hat seit dem 2. März 2020 (Multatulis 200. Geburtstag) den Multatuli-Lehrstuhl der VU Amsterdam inne. Sie ist Professorin für moderne niederländische Literatur, veröffentlichte 2015 Bloed en rozen, Geschiedenis van de Nederlandse literatuur 1900-1945 („Blut und Rosen. Geschichte der niederländischen Literatur 1900-1945“) als Band 6 der von der Taalunie herausgegebenen Reihe über die Literaturgeschichte der Niederlande und Flandern. 2018 erschien, in Zusammenarbeit mit Rick Honings und Jaap Grave, Multatuli nu. Nieuwe perspectieven op Eduard Douwes Dekker. („Multatuli jetzt. Neue Perspektiven auf Eduard Douwes Dekker“)

18.11.2020, 18–20 Uhr, Vortrag auf Deutsch: Hans Dieter Schreeb: Millionenstudien

Als gebürtiger Wiesbadener, der auch einige Bücher über diese Stadt veröffentlicht hat, stieß Hans Dieter Schreeb auf Multatuli, der von 1870 bis 1879 in Hessens Hauptstadt lebte und dort ein regelmäßiger Besucher der Spielbank war. Ausgangspunkt für Schreebs Buch Millionenstudien. Multatuli und die Spielbank Wiesbaden (2004) sind Multatulis gleichnamige Millioenenstudiën aus dem Jahr 1872 und 1900 von W. Spohr ins Deutsche übersetzt. Es sind Skizzen und Essays, die ursprünglich für eine niederländische Tageszeitung geschrieben wurden. Fein ironisch kommentiert Multatuli darin seine Beobachtungen. H.D. Schreeb wählte einige der besten Stücke aus und versah sie mit einer Einleitung und Kommentar. Der Leser erfährt viel über Wahrscheinlichkeitsrechnung, Roulettespiel und Spielsysteme, macht aber auch Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Typen von Spielbankbesuchern und – besucherinnen.

Hans Dieter Schreeb ist ein ungewöhnlich vielseitiger Autor. Ursprünglich Journalist war er, zusammen mit seinem Partner Hans-Georg Thiemt, über Jahrzehnte einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren für ARD und ZDF. Es folgte eine Phase, in der er vor allem Romane schrieb. In den letzten zwanzig Jahren hat er sich auf das Schreiben von Theaterstücken und Musicals verlegt.

25.11.2020, 18–20 Uhr, Vortrag auf Deutsch: Holger Warnk: Spuren eines Lehrers

Viele indonesische Schriftsteller, Akademiker und Intellektuelle der ersten Generation nach der Unabhängigkeit (1945) waren durch ihre Schulausbildung in der Kolonialzeit in der Lage, niederländische Literatur zu lesen. Insbesondere Multatuli stellte hier eine große Anregung für die nationalistischen indonesischen Autoren der 1950er bis 70er Jahre dar. Wie kaum ein anderer moderner indonesischer Schriftsteller hat Pramoedya Ananta Toer (1925-2006) in seinem literarischen und auch in seinem wissenschaftlichen Werk auf Multatulis Max Havelaar Bezug genommen. Insbesondere in Pramoedyas Spät- und wohl auch Hauptwerk, der sog. „Buru-Tetralogie“ (1980-1988) spielt Multatuli eine zentrale Rolle, die in diesem Vortrag herausgearbeitet wird. Die „Buru-Tetralogie“ entstand während Pramoedya Ananta Toers langjähriger Haftzeit unter dem Suharto-Regime und ist auch ins Deutsche sowie zahlreiche andere Sprachen übersetzt worden. 

Holger Warnk studierte Historische Ethnologie und Südostasienwissenschaften an der GoetheUniversität Frankfurt und an der University of London. Er ist Bibliothekar in der Frankfurter Bibliothek der Südostasienwissenschaften, Mitglied im Direktorium des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien der Goethe-Universität und Lehrbeauftragter für Südostasienkunde an den Universitäten Passau und Köln. 

Veranstalter: Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität Frankfurt/M, mit freundlicher Unterstützung der Kleinen Fächer der Goethe Universität Frankfurt und des Niederlandistenverbandes. Info: Laurette Artois, artois@lingua.uni-frankfurt.de